Im vergangenen Jahr hat die Unsicherheit im globalen Handel zwar zugenommen, doch der Umschlag der chinesischen Häfen ist gegen den Trend gewachsen.
In den ersten elf Monaten des Jahres wurden in den Häfen Chinas 16,75 Milliarden Tonnen Fracht umgeschlagen – ein Plus von 4,4 Prozent im Vorjahresvergleich. Entsprechend zeigte sich der chinesische Außenhandel weiterhin robust gegenüber globalen Konjunkturschwankungen. Der Export von Waren stieg in diesem Zeitraum um 6,2 Prozent auf 24,46 Billionen Yuan.
Betrachtet man das Gesamtjahr, konnten auch die großen Häfen zufriedenstellende Ergebnisse vorlegen. Wichtige Drehkreuze wie der Hafen Shanghai und der Hafen Ningbo-Zhoushan behaupteten sich unter den weltweit führenden Häfen. Dabei wurde Ningbo-Zhoushan zum ersten Hafen weltweit, der die Jahresmarke von 1,4 Milliarden Tonnen Frachtumschlag übertraf. Der Hafen Shanghai sicherte sich zum sechzehnten Mal in Folge den Spitzenplatz im Containerumschlag. Aufstrebende Häfen wie Yangpu und Beibu Gulf zeigten ein herausragendes Wachstum. So schnellte der Containerumschlag in Yangpu um 65 Prozent nach oben, während Beibu Gulf in den Kreis der Häfen mit über 10 Millionen TEU (Twenty-Foot Equivalent Unit) aufstieg.
Wie ist dieses gegenläufige Wachstum zu erklären? Einerseits hat sich die Wettbewerbsfähigkeit chinesischer Häfen im globalen Schifffahrtssystem weiter verbessert – trotz verlangsamten Welthandelswachstums und zunehmender geopolitischer Störfaktoren. Andererseits formen der Start des abgeschlossenen Systems des Freihandelshafens Hainan sowie die forcierte Umsetzung von Richtlinien für intelligente und grüne Schifffahrt die Rahmenbedingungen für die Hafenentwicklung auf institutioneller und technologischer Ebene neu.
Eine Expertin merkte an, dass das stabile Wachstum von Fracht- und Containervolumina unter instabilen externen Bedingungen letztlich das stabile Wachstum der chinesischen Wirtschaftsleistung und des Außenhandelsvolumens widerspiegele. Gleichzeitig vollziehe sich in den chinesischen Häfen ein Wandel: Sie entwickelten sich von traditionellen Umschlagplätzen zu Lieferketten-Drehscheiben, die verstärkt Logistik-, Distributions- und Koordinierungsaufgaben übernähmen.
„Die Widerstandsfähigkeit der chinesischen Häfen hat im vergangenen Jahr deutlich zugenommen. Die Stabilität und Veränderungen im Gesamtfrachtaufkommen spiegeln tatsächlich Anpassungen im regionalen Schifffahrtsrouten-Netz und Verschiebungen in der geopolitischen Landschaft wider. Die Ausweitung der Schifffahrtsrouten von chinesischen Häfen in Regionen wie Südostasien, Afrika und Lateinamerika wird im Hintergrund von geopolitischen Veränderungen und der Förderung regionaler Handelsintegration vorangetrieben“, so die Expertin.
Umschlagmengen erreichen neue Rekorde
Für große Drehkreuzhäfen wie für aufstrebende Häfen war es ein Jahr der kontinuierlichen Rekordbrüche.
Am 30. Dezember wurde im Beibu Gulf Shipping Center gefeiert, dass der Hafen die Marke von 10 Millionen TEU Containerumschlag überschritt und damit in den Kreis der Mega-Häfen aufstieg.
An der Ostküste erlebte das Internationale Schifffahrtszentrum Shanghai einen historischen Moment: Der Containerumschlag überschritt 55,06 Millionen TEU und setzte damit einen neuen Rekord. Zur gleichen Zeit übertraf der Jahrescontainerumschlag des Hafens Ningbo-Zhoushan erstmals die 40-Millionen-TEU-Marke.
Mit dem offiziellen Start des abgeschlossenen Betriebs des Freihandelshafens Hainan entfaltet auch der Hafen Yangpu sein Potenzial. Sein Containerumschlag erreichte 3,3 Millionen TEU, ein Plus von 65 Prozent, und seine Funktion als internationaler Schifffahrtsknotenpunkt verstärkt sich kontinuierlich.
An den Häfen Nordchinas verzeichnete die Shandong Ports Group einen Frachtumschlag von über 1,9 Milliarden Tonnen und einen Containerumschlag von über 47 Millionen TEU. Die Containerumschläge der Häfen Qingdao, Rizhao und Yantai stiegen in den ersten elf Monaten um 7 Prozent, 10,3 Prozent bzw. 8 Prozent.
Ein Branchenvertreter wies darauf hin, dass der chinesische Außenhandel insgesamt ein stabiles Wachstum verzeichne, trotz häufiger Änderungen in den US-Zollpolitiken. Gleichzeitig sei der globale Anteil Chinas an Containerexporten weiter gestiegen – von 34 Prozent im Jahr 2019 auf 38 Prozent. Dies belege die Wettbewerbsfähigkeit der chinesischen Fertigung und Technologie sowie die Widerstandsfähigkeit chinesischer Unternehmen.
Der Vertreter stellte fest, dass sich mit der Verlagerung des „Going Global“-Modells vom hochkonzentrierten „Made in China, Sold Globally“ hin zum dezentraleren „Chinese Enterprises Manufacturing and Selling Globally“ eine breitere Verlagerung von Lieferketten beschleunige. Die Globalisierung setze und vertiefe sich in einer anderen Form fort, wobei chinesische Unternehmen weiterhin eine zentrale Rolle spielten.