Am 16. April führte die Pädagogische Universität – Universität Da Nang gemeinsam mit dem Journalistenverband Da Nang ein Seminar mit dem Titel „Journalismus und Kommunikation im Zeitalter der Künstlichen Intelligenz: Wie sollte der Journalismus auf KI reagieren?“ durch.
Das Seminar zog die Teilnahme von Experten, Journalisten, Dozenten und zahlreichen Studierenden an und konzentrierte sich auf die tiefgreifenden Veränderungen, die KI in journalistischen Tätigkeiten bewirkt.
KI: Vom Werkzeug zum Assistenten und … Kollegen der Journalisten
Während des Seminars erklärte ein Professor des Instituts für Kommunikation und Sozialpolitikforschung der Van-Lang-Universität, dass laut neuesten Statistiken nur etwa 16 % der Journalisten keine KI nutzen.
Er betonte jedoch, dass KI lediglich ein unterstützendes Werkzeug sei, das Journalisten helfe, schneller und effizienter zu arbeiten – etwa bei der Datenanalyse, Interviewführung, Transkription oder Übersetzung –, aber den Menschen nicht ersetzen könne.
„Die übermäßige Nutzung von KI kann kritisches Denken, kreative Fähigkeiten und berufliche Standards mindern, Fehlinformationen erzeugen oder ausgenutzt werden, um die Informationsumwelt zu verschmutzen.
Wir sollten KI nicht ‚vergöttern‘, sondern nüchtern, mit klarem Ziel und Strategie begegnen, Modetrends vermeiden. Die Anwendung von KI muss stets unter der Aufsicht von Journalisten stehen, für die Nutzer transparent sein und sich am Gemeinwohl orientieren“, so der Professor.

Ein stellvertretender Chefredakteur teilte auf dem Seminar mit, dass die zwingende Anforderung des Journalismus die Überprüfung und Verantwortung für Informationen sei. KI könne zwar unterstützen, aber keine berufliche Verantwortung übernehmen.
Er berichtete, dass eine Zeitung seit der COVID-19-Pandemie (2020) im Kontext der Fernarbeit KI als virtuelle Programm-Moderatoren eingesetzt habe, um Menschen zu ersetzen.
Im Laufe der Zeit sei KI nicht nur ein Werkzeug gewesen, sondern allmählich zu einem „Assistenten“ und sogar zu einem „Kollegen“ in bestimmten Inhaltsproduktionsprozessen geworden.
Er führte ein Beispiel aus dem Jahr 2024 an, bei dem eine Zeitung KI zur Analyse und Ergebnisvorhersage für Spiele der Euro 2024 nutzte. Demnach traf KI Vorhersagen vor den Spielen und prognostizierte durch die Nutzung von Big Data die Ergebnisse mit 100-prozentiger Genauigkeit.
„Obwohl KI immer leistungsfähiger wird, erfordert sie dennoch menschliche Kontrolle und finale Entscheidungen“, betonte er.
Der Journalist teilte mit, dass die Anwendung von KI im Journalismus in zwei Richtungen unterteilt werden könne: die persönliche Nutzung und die Integration in die Managementprozesse der Redaktion.
Wenn KI in das Content-Management-System integriert werde, könne sie viele Phasen unterstützen, wie Redaktion, Analyse, Inhaltsvorschläge und Datenverarbeitung. Redaktionen müssten ihre Journalisten kontinuierlich weiterbilden, da jedes Mitglied unterschiedliche Zugangsvoraussetzungen zu KI habe.

Lässt KI den Journalismus „sein Wesen verlieren“?
Ein Dozent äußerte auf dem Seminar Bedenken hinsichtlich der Auswirkungen von KI auf die Ökonomie des Journalismus und sorgte sich auch, dass der Einsatz von KI die persönliche Handschrift des Autors verringern und somit die Qualität von Kommentaren und tiefgründigen Arbeiten beeinträchtigen könnte.
Der Vorsitzende des Journalistenverbands Da Nang, der auch Direktor eines lokalen Medienunternehmens ist, brachte zahlreiche Beispiele aus der Praxis und bekräftigte, dass KI den Menschen nicht ersetze, sondern die Art und Weise verändere, wie Journalismus organisiert werde.
KI sei nicht einfach eine Frage der Kosten- oder Personalersparnis, sondern betreffe die Neustrukturierung des journalistischen Managementmodells.
Er betonte, dass Medienanstalten anstatt mechanisch Personal abzubauen, darauf abzielen sollten, ein hochqualifiziertes Team aufzubauen, das Technologie beherrscht und Inhalte kreiert.
„KI kann die Kernwerte von Journalisten wie Emotion, Erfahrung und kreatives Denken nicht ersetzen. Diese Faktoren machen die Identität des Journalismus aus. KI ist nur ein Werkzeug, während der besondere Wert des Journalismus weiterhin beim Menschen liegt“, so der Vorsitzende.