Die indische Zentralbank (Reserve Bank of India, RBI) hat angesichts der zunehmenden Fälle von Online- und Digitalbetrug einen wegweisenden Vorschlag vorgestellt.
Laut einem von der RBI veröffentlichten Diskussionspapier soll für digitale Zahlungen über 10.000 ₹ (ca. 110 Euro) künftig eine einstündige „Bedenkzeit“ verpflichtend werden.
Hintergrund dieses Schrittes: Allein im Jahr 2025 wurden rund 2,8 Millionen Fälle von Digitalbetrug registriert, die der Bevölkerung einen Schaden von über 22.900 Crore ₹ (rund 2,5 Milliarden Euro) verursachten.
Da Geld bei Systemen wie UPI und IMPS sofort überwiesen wird, bleibt den Opfern keine Zeit, die Transaktion zu melden und zu stoppen.
Nach den geplanten Regeln wird Geld, das jemand auf ein neues Konto überweist und das den Betrag von 10.000 ₹ übersteigt, nicht sofort gutgeschrieben, sondern bleibt bis zu einer Stunde lang „vorläufig belastet“ (gesperrt). In dieser Zeit kann der Nutzer die Zahlung stornieren, wenn ihm ein Betrug auffällt.
Um den Alltag der Menschen nicht unnötig zu erschweren, sind kleine Zahlungen und regelmäßige Händlerzahlungen von dieser Regel ausgenommen. Die Allgemeinheit wird dadurch kaum beeinträchtigt, während die Rückholbarkeit bei größeren Betrugsfällen deutlich steigt.
Für Senioren und Menschen mit Behinderungen plant die RBI noch strengere Sicherheitsstandards. Bei Zahlungen über 50.000 ₹ (ca. 550 Euro) durch über 70-Jährige soll eine „sekundäre Co-Authentifizierung“ eingeführt werden, bei der die Genehmigung durch eine vertraute Person erforderlich wird.
Zudem wird ein „Kill Switch“ diskutiert: Damit könnten Kunden im Notfall sofort alle digitalen Kanäle ihres Kontos sperren. Die Zentralbank bittet die Bevölkerung und Bankexperten bis zum 8. Mai 2026 um Stellungnahmen zu diesen Vorschlägen; danach werden die endgültigen Richtlinien veröffentlicht.