In welchen Lebensmittelkategorien geben Vietnamesen am meisten aus?
Über das gesamte Jahr betrachtet, geben Vietnamesen am meisten für Brot und Getreideprodukte aus – nämlich 16,5 Milliarden US-Dollar jährlich (Stand 2024). An zweiter Stelle folgen Gemüse sowie Fisch und Meeresfrüchte mit jeweils 12,1 Milliarden US-Dollar.
Entgegen der verbreiteten Annahme, Vietnamesen würden besonders viel Fleisch – vor allem Schweinefleisch – essen, zeigen aktuelle Verbrauchsstatistiken ein anderes Bild.
Laut einer neuen Erhebung, die am 9. Januar auf einer Konferenz zur Novellierung des Lebensmittelsicherheitsgesetzes vorgestellt wurde, liegen die höchsten Ausgaben tatsächlich für Brot und Getreide, Gemüse sowie Fisch und Meeresfrüchte.
Danach folgen:
- Fleisch: 11,1 Milliarden US-Dollar
- Milch- und Eiprodukte: 8,5 Milliarden US-Dollar
- Obst und Nüsse: 8,5 Milliarden US-Dollar
- Süßwaren und Snacks: 5,5 Milliarden US-Dollar
- Brotaufstriche und Süßungsmittel: 5,1 Milliarden US-Dollar
- Fertiggerichte und verarbeitete Lebensmittel: 3,3 Milliarden US-Dollar
- Soßen und Gewürze: 2,9 Milliarden US-Dollar
- Babynahrung: 2,5 Milliarden US-Dollar
- Öle und Fette: 1,4 Milliarden US-Dollar
Bemerkenswert ist auch der Heimtiermarkt, der nach unvollständigen Statistiken ein Volumen von mehreren hundert Millionen US-Dollar hat.
Weitere Marktentwicklungen
Der Getränkemarkt soll 2025 voraussichtlich über 900 Millionen US-Dollar erreichen. Bei einer jährlichen Wachstumsrate von 8,63 % im Zeitraum 2025–2030 könnte er bis 2030 auf 1,36 Milliarden US-Dollar ansteigen.
Im Bereich Flaschen- und natürliches Trinkwasser gibt es landesweit über 40.000 Produktionsstätten. Zwar besitzen alle eine Bescheinigung über die Lebensmittelsicherheit und haben ihre Produkte selbst deklariert, dennoch entsprechen 2–5 % der Wasserproben nicht den Standards. Sie sind mit E.coli, Coliformen oder Staphylococcus aureus verunreinigt.
Ein Problem ist die lange Testdauer von 7–10 Tagen. Oft sind nicht konforme Wasserchargen bereits vollständig verbraucht, wenn das Testergebnis vorliegt.
Gesundheitsschutzprodukte (Nahrungsergänzungsmittel)
Der Markt für Gesundheitsschutzprodukte (umgangssprachlich oft als „funktionelle Lebensmittel“ bezeichnet) hat derzeit ein Volumen von 2,75 Milliarden US-Dollar. Die durchschnittlichen Pro-Kopf-Ausgaben liegen bei 27,1 US-Dollar pro Jahr. Das prognostizierte Wachstum von 5,4 % liegt über dem weltweiten Durchschnitt (2 %), was auf ein erhebliches Potenzial für rechtmäßig agierende Anbieter qualitativ hochwertiger Produkte hindeutet.
Nach starken Schwankungen in der Phase 2021–2025 wird erwartet, dass sich dieser Markt ab 2026 erholt und stabilisiert.
Schwerpunkte der Gesetzesnovelle
Ein zentrales Thema der Konferenz war die Beseitigung von Mängeln in der derzeitigen Lebensmittelkontrolle. „Das novellierte Lebensmittelsicherheitsgesetz wird ein eigenes Kapitel mit Vorschriften für Straßengastronomie und fahrende Händler enthalten“, hieß es. „Dies ist ein wichtiger Schritt, da es in letzter Zeit viele lebensmittelbedingte Vergiftungsfälle im Zusammenhang mit Straßenverkauf gab. Daher braucht es klare Regeln für die Verkäufer und eine Definition der Kontrollrolle der lokalen Behörden in den Gemeinden und Stadtteilen.“
Auch der Handel mit Lebensmitteln und Gesundheitsschutzprodukten auf E-Commerce-Plattformen soll stärker reguliert werden, um Missstände wie den Vertrieb nicht zugelassener oder gefälschter Produkte zu bekämpfen.
Warum ist eine Novellierung nötig?
Das derzeit gültige Lebensmittelsicherheitsgesetz stammt aus dem Jahr 2010. Damals war das Verständnis für funktionelle Lebensmittel sowohl in Vietnam als auch weltweit noch lückenhaft. Für Betriebe, die risikobehaftete Lebensmittel wie medizinische Nahrung, Spezialdiäten oder Nahrungsprodukte für Kinder bis 36 Monate herstellen, waren Zertifizierungen wie GMP, HACCP oder ISO nicht verpflichtend.
Das aktuelle Recht ist zudem zu fragmentiert: Für eine einzige Mahlzeit können mehrere Ministerien zuständig sein, ohne klare Koordinations- oder Mitwirkungsregeln bei der Bekämpfung von Produktfälschungen. Dies führt zu uneinheitlicher Kontrolle.
Besonders problematisch ist das Fehlen eines Mechanismus für Behörden, um erteilte Zertifikate bei Verstößen wieder einzuziehen oder Dienstleistungen vorübergehend auszusetzen. In der Praxis gibt es nach wie vor Fälle von Produktion und Handel mit großen Mengen gefälschter oder minderwertiger Lebensmittel (wie die 2025 aufgedeckten Fälle von gefälschter Milch und Nahrungsergänzungsmitteln).
Die Lebensmittelsicherheitsbehörde ist überzeugt, dass politische Lösungen notwendig sind, um diese Lücken zu schließen.