Im Jahr 2026 wird das Potenzial für das Wachstum von Import und Export voraussichtlich aus der sich erholenden Nachfrage in wichtigen Märkten, einer intensiveren Nutzung von Freihandelsabkommen (FTA) und der Verlagerung globaler Lieferketten stammen. Dennoch bleiben der Druck durch Handelsabwehrmaßnahmen, grüne Standards und zunehmend strenge Ursprungsregeln erhebliche Hindernisse für die Handelsaktivitäten.

Ein neuer Rekordwert

Nach Angaben des Ministeriums für Industrie und Handel erreichte der gesamte Warenhandelsumsatz im Jahr 2025 930 Milliarden US-Dollar, ein Anstieg von 18,2 % gegenüber 2024. Davon entfielen 475 Milliarden US-Dollar auf Exporte und 455 Milliarden US-Dollar auf Importe. Die Handelsbilanz verzeichnete weiterhin einen Überschuss von 20 Milliarden US-Dollar und bleibt eine wichtige Stütze für die makroökonomische Stabilität.

Grafik zum Außenhandelsumsatz
Bild 1: Darstellung des Handelsumsatzes

Hinter diesen beeindruckenden Zahlen verbergen sich jedoch einige Engpässe. Denn in der Struktur der exportierten Waren spielt der ausländische Investitionssektor (FDI) weiterhin eine dominierende Rolle und macht bis zu 77,3 % des gesamten Exportumsatzes aus. Der inländische Wirtschaftssektor erreichte dagegen nur 107,95 Milliarden US-Dollar, ein Rückgang um 6,1 % gegenüber 2024. Der hohe Exportumsatz des FDI-Sektors macht die Warenexporte anfällig für Auswirkungen von politischen Schwankungen und globalen Lieferketten.

Die Exportstruktur des Jahres 2025 spiegelt dieses Merkmal deutlich wider. Die Gruppe der verarbeiteten Industriegüter erreichte 421,47 Milliarden US-Dollar und machte 88,7 % des Gesamtumsatzes aus, wobei es sich jedoch größtenteils noch um reine Verarbeitung und Montage handelt. Land- und Forstwirtschaftliche Erzeugnisse erreichten unterdessen 39,46 Milliarden US-Dollar (8,3 %) und Meeresfrüchte 11,29 Milliarden US-Dollar (2,4 %). Dies sind Bereiche, in denen Potenzial zur Wertsteigerung besteht, das jedoch nicht im Verhältnis ausgeschöpft wird.

Auf der Importseite erreichte der Jahresumsatz 455 Milliarden US-Dollar, ein Plus von 19,4 %. Besonders hervorzuheben ist, dass die Gruppe der Produktionsmaterialien bis zu 93,6 % ausmachte, wovon Maschinen, Geräte, Werkzeuge und Ersatzteile allein 52,7 % ausmachten. Dies zeigt, dass die inländische Produktion nach wie vor stark von importierten Vorleistungen abhängt.

Eine Einschätzung kommt zu dem Schluss: Vietnam ist derzeit eine Exportnation mit hohem Umsatz, aber geringer Wertschöpfung. Der Hauptgrund liegt darin, dass exportierte Industriegüter vorwiegend verarbeitet und montiert werden, während Agrar- und Meereserzeugnisse größtenteils roh und ohne etablierte Marken exportiert werden.

Darüber hinaus bringt das Modell des Exports mit hohem Umsatz und geringer Wertschöpfung unverhältnismäßige Gewinne mit sich, während die Risiken ständig steigen. Eine ständige Bedrohung ist das Risiko von Handelsabwehrmaßnahmen aufgrund hoher Exportwachstumsraten in vielen Produktkategorien. Hinzu kommen tarifäre und nichttarifäre Handelshemmnisse im Kontext eines geschwächten multilateralen Handelssystems.

Auch die Struktur der Ein- und Ausfuhrmärkte birgt langfristige Herausforderungen. Die USA bleiben mit einem Umsatz von 153,2 Milliarden US-Dollar der größte Exportmarkt, während China mit 186 Milliarden US-Dollar der größte Importmarkt ist. Das hohe Handelsdefizit mit China und ASEAN spiegelt deutlich die Abhängigkeit von regionalen Lieferketten wider und erhöht gleichzeitig die Risiken bei Marktschwankungen.

Vom mengen- zum qualitätsbasierten Wachstum

Das Ministerium für Industrie und Handel stellt fest, dass Vietnam mit 17 unterzeichneten Freihandelsabkommen mit etwa 60 Ländern und Gebieten zu den am tiefsten und breitesten integrierten Ländern in ASEAN gehört. In der Praxis nutzen jedoch nur etwa 30 % der Unternehmen die FTAs effektiv, während der Rest die Chancen nicht nutzt oder verpasst hat. Das bedeutet, dass das „Integrations-Ticket“ seinen Wert noch nicht vollständig entfaltet hat.

Textil- und Bekleidungsindustrie
Bild 2: Textil- und Bekleidungsproduktion

Für das Jahr 2026 wird die Handelsaussicht positiv bewertet, dank der breiten Basis und des umfangreichen FTA-Netzwerks. Das Potenzial für nachhaltiges Wachstum wird sich jedoch erst dann wirklich erschließen, wenn die Kernprobleme gelöst werden.

Laut einem stellvertretenden Direktor der Abteilung für Außenhandel liegt der Fokus der kommenden Periode auf dem Wandel vom mengen- zum qualitätsbasierten Wachstum. Dies erfordert eine Stärkung des Exports von Produkten mit hoher Wertschöpfung, hohem Technologiegehalt und hoher lokaler Wertschöpfung, basierend auf der eigenen Leistungsfähigkeit inländischer Unternehmen. Gleichzeitig müssen Qualität verbessert, in Tiefenverarbeitung investiert, Innovation gefördert und Marken aufgebaut werden, anstatt sich auf einfache Verarbeitung zu beschränken.