Amghib: Der Wahltermin ist nicht in Sicht – Vorwürfe der Blockade und Interessenkonflikte

In einer kritischen Bewertung der politischen Lage bezeichnete der Abgeordnete die jüngsten Entwicklungen in Libyen als „scheinbare Beschleunigung“. Seiner Ansicht nach zielen die derzeitigen Diskussionen vor allem auf die öffentliche Meinung im Land, während die wirklichen Hindernisse bestehen bleiben. Das größte Hindernis sei die abgelaufene Regierung von Ministerpräsident Abdul Hamid Dbeibah.

In einem Fernsehinterview betonte Amghib, dass die aktuellen Bemühungen – sowohl die der UN-Mission als auch die innenpolitischen Vorschläge – nicht ernsthaft genug seien, um das Land tatsächlich zu Wahlen zu führen. Er warf den „Partnern der Nation“ in der Hauptstadt Tripolis, die mit der Regierung der Nationalen Einheit verbündet sind, direkt vor, jeglichen Fortschritt zu blockieren.

„Die Hindernisse liegen in der Regierung Dbeibah“, so Amghib. Die allseits kritisierte Korruption finde in dieser Regierung ihren Rückhalt, die beharrlich jeden Weg zu Volkswahlen blockiere.

Die Straße im Westen: Zwischen Zufriedenheit und kalkuliertem Zorn

Bei seiner Einschätzung der Stimmung im Westen des Landes verneinte Amghib die Existenz einer breiten, echten Volkswut, die den Bestand der Regierung gefährden könnte. Die Forderungen der Bürger in der Hauptstadt drehten sich vor allem um bessere Lebensbedingungen, eine stabile Währung und die Einheit des Landes. Diese Forderungen seien jedoch mit einer von ihm als „korrupt“ bezeichneten Exekutive nicht zu erfüllen.

Die kürzlich in einigen Gebieten stattgefundenen Demonstrationen drückten zwar echte Unzufriedenheit aus, forderten aber nicht den Sturz der Regierung. Externe Kräfte hätten versucht, die Proteste für begrenzte Ziele zu instrumentalisieren, seien damit aber gescheitert.

Vorgeschlagene Lösungen und das Vertrauensdilemma

Das Gespräch kam auch auf die Initiative des sogenannten „Politischen Komitees“. Amghib erklärte, diese gehe auf den Ratsvorsitzenden selbst zurück und enthalte eine Reihe von Zugeständnissen, um Wahlen und die Vereinigung der Institutionen zu erreichen. Er lehne die Initiative in ihrer jetzigen Form jedoch ab und erwarte, dass sie an praktischen Hindernissen scheitern werde – nicht zuletzt wegen der Ablehnung durch die UN-Mission und die bestimmenden Kräfte im Westen des Landes.

Ein wesentlicher Faktor für das Scheitern aller Bemühungen sei, dass unter der Kontrolle der abgelaufenen Regierung Dbeibah über die Staatsstrukturen die Integrität des Wahlprozesses nicht garantiert werden könne.

Die internationale Rolle und die unmögliche Einheit

Amghib zeigte sich pessimistisch, was die Möglichkeit einer echten nationalen Einheit in naher Zukunft angeht. Seit über einem Jahrzehnt sei das Land nach dem Willen der einflussreichen internationalen Mächte „aufgeteilt“. Diese würden nicht zulassen, dass eine einzige Zentralgewalt entstehe oder entscheidende Wahlen organisiert würden. Sein Kommentar: „Libyen wird seit 2011 unter diesem Einfluss nicht mehr eins sein.“

Das Problem der konkurrierenden Gremien und Räte

Im Fokus stand auch der Streit um die Hohe Nationale Wahlkommission. Das Repräsentantenhaus habe den Vorschlag gemacht, sie neu zu bilden, aber ihren derzeitigen Vorsitzenden zu behalten. Dieser Vorschlag sei jedoch vom Staatsrat abgelehnt worden.