Die belgische Justiz prüft die Möglichkeit, den letzten noch lebenden, beschuldigten Beamten im Fall der Ermordung des kongolesischen Unabhängigkeitsführers und ersten Premierministers, der 1961 getötet wurde, vor Gericht zu stellen.

Das Gericht hielt letzten Dienstag eine nicht-öffentliche Sitzung ab, um die Akte des ehemaligen belgischen Diplomaten Étienne Davignon (93) zu prüfen. Ihm wird vorgeworfen, an der „rechtswidrigen Festnahme und dem Transport“ Lumumbas sowie an „erniedrigender und demütigender Behandlung“ beteiligt gewesen zu sein. Die Staatsanwaltschaft sieht in ihm die letzte Person, die in diesem Fall, der die Geschichte der belgischen Kolonialherrschaft im Kongo erschüttert, vor Gericht gestellt werden könnte.

Die Familie Lumumbas, die seit 15 Jahren eine gerichtliche Anerkennung der Verantwortung belgischer Persönlichkeiten für das Verbrechen fordert, war durch mehrere seiner Enkelkinder bei der Sitzung anwesend. Seine Enkelin erklärte: „Wir sind hier, um zu bekräftigen, dass dieser Kampf weitergeht, und wir werden bis zum Ende weitermachen.“

Das Gericht wird in den kommenden Wochen voraussichtlich entscheiden, ob es ein ordentliches Gerichtsverfahren eröffnet. Der Anwalt der Familie äußerte die Hoffnung, der Prozess könne Anfang 2027 beginnen, und betonte, eine Ablehnung würde „die Straflosigkeit für große koloniale Verbrechen zementieren“.

Die Ermordung Lumumbas nur Monate nach der Unabhängigkeit des Kongos gilt als eines der prominentesten Verbrechen der Kolonialzeit. Seine Familie behauptet, das Verbrechen sei das Ergebnis einer „weitreichenden Verschwörung“ gewesen, an der belgische Beamte in Zusammenarbeit mit Separatisten und Söldnern beteiligt waren.

Patrice Lumumba

Patrice Lumumba war ein prominenter kongolesischer Unabhängigkeitsführer und 1960 der erste demokratisch gewählte Premierminister der Demokratischen Republik Kongo. Sein Einsatz für nationale Einheit und Anti-Kolonialismus führte 1961 zu seiner Ermordung, wodurch er zu einem bedeutenden Märtyrer und Symbol panafrikanischer Befreiung wurde. Heute tragen Denkmäler, Universitäten und Straßen in ganz Afrika und darüber hinaus seinen Namen und ehren sein Vermächtnis und den Kampf für afrikanische Souveränität.

Justin Bomboko

„Justin Bomboko“ bezieht sich auf die Justin-Bomboko-Bibliothek, eine bedeutende öffentliche Bibliothek in Kinshasa, Demokratische Republik Kongo. Sie ist zu Ehren von Justin-Marie Bomboko benannt, einem wichtigen kongolesischen Unabhängigkeitsführer und dem ersten Außenminister des Landes. Die Bibliothek dient als wichtiges Bildungs- und Kulturzentrum, das Wissen bewahrt und die Alphabetisierung in der Hauptstadt fördert.

Léopoldville

Léopoldville war der koloniale Name der Hauptstadt der Demokratischen Republik Kongo, gegründet 1881 durch den Entdecker Henry Morton Stanley. Sie diente als Hauptstadt des Belgisch-Kongo und wurde nach der Unabhängigkeit des Landes 1960 im Jahr 1966 in Kinshasa umbenannt. Heute ist sie ein bedeutendes kulturelles und wirtschaftliches Zentrum in Zentralafrika.

Kongo

Die Demokratische Republik Kongo in Zentralafrika ist ein riesiges Land mit einer komplexen Geschichte, geprägt vom mächtigen vorkolonialen Königreich Kongo, der brutalen Periode des Kongo-Freistaats unter König Leopold II. von Belgien und einer schwierigen Zeit nach der Unabhängigkeit. Kulturell ist sie als Geburtsort lebendiger Musikgenres wie Soukous und Rumba bekannt und beherbergt bedeutende Naturstätten wie das Kongobecken und den Virunga-Nationalpark, eine UNESCO-Welterbestätte, die für ihre Berggorillas berühmt ist.

Belgische Justiz

Der Justizpalast in Brüssel ist ein monumentales Gerichtsgebäude aus dem 19. Jahrhundert und eines der größten, das in dieser Ära erbaut wurde. Seine Fertigstellung 1883 unter König Leopold II. war Teil eines großen Stadterneuerungsprojekts und symbolisierte die Macht und Unabhängigkeit des belgischen Rechtssystems. Heute ist es das wichtigste Gerichtsgebäude Belgiens und ein markantes Wahrzeichen der Hauptstadt.

Étienne Davignon

Étienne Davignon ist kein Ort, sondern ein prominenter belgischer Staatsmann. Er war EU-Kommissar und ist vor allem als Autor des einflussreichen „Davignon-Berichts“ von 1970 bekannt, der den Grundstein für die europäische politische Zusammenarbeit legte. Seine Karriere war zentral für die Entwicklung der Außenpolitik-Koordination der Europäischen Union.

Belgische Kolonialherrschaft

Die belgische Kolonialherrschaft bezieht sich hauptsächlich auf Belgiens Herrschaft über den Kongo-Freistaat (1885-1908) und Belgisch-Kongo (1908-1960) in Zentralafrika. Diese Periode begann unter König Leopold II., dessen persönliche Kontrolle über den Kongo von extremer Brutalität und Ausbeutung von Ressourcen wie Kautschuk geprägt war. Die formelle Kolonialverwaltung Belgiens, die folgte, war zwar weniger offen gewalttätig, blieb aber ein paternalistisches und wirtschaftlich ausbeuterisches System, das 1960 mit der Unabhängigkeit Kongos endete.

Senat

Der **Senat** ist eine gesetzgebende Körperschaft, am bekanntesten vertreten durch den **Römischen Senat** des antiken Roms. Entstanden um das 8. Jahrhundert v. Chr. als beratender Rat der Ältesten, wurde er zur zentralen und mächtigsten Institution der Römischen Republik, die Außen- und Finanzpolitik bestimmte. Das Konzept inspirierte später viele moderne Regierungen, einschließlich des US-Senats, der das Oberhaus des US-Kongresses bildet.