
Ein indonesisches Flugzeug mit mehr als 100 Passagieren an Bord ist am Samstag bei der Landung auf Bali von der Landebahn abgekommen und im Meer gelandet. Dabei wurde der Rumpf schwer beschädigt. Dutzende Menschen wurden verletzt, Todesopfer gab es jedoch keine.
Bei der betroffenen Maschine handelte es sich um eine Boeing 737-800 der Billigfluggesellschaft Lion Air. Die Fluglinie expandiert rasant und hatte kürzlich Rekordbestellungen für Hunderte neuer Flugzeuge bekannt gegeben. Allerdings besteht wegen Sicherheitsbedenken ein Flugverbot für den US- und den europäischen Luftraum.
Trotz guten Wetters verfehlte die Maschine bei der Landung auf dem Flughafen Denpasar – dem Tor zur beliebten Urlaubsinsel – die Landebahn und schlug im Wasser auf. Die Passagiere gerieten in Panik und schrien vor Angst.
Das Flugzeug kam teilweise im Wasser liegend zum Stillstand, nur wenige Meter vom Ende der Landebahn entfernt. An den vorderen Notausgängen wurden Rutschen aktiviert. Am Heck klaffte ein großer Riss im Rumpf. Passagiere in Schwimmwesten waren im Wasser zu sehen.
„Das Flugzeug wollte landen, als es plötzlich ins Meer stürzte. Die Menschen an Bord gerieten in Panik und fingen an zu schreien“, berichtete eine Passagierin namens Dewi – viele Indonesier tragen nur einen Vornamen – mit zitternder Stimme. Sie erlitt leichte Kopfverletzungen und wurde ins Krankenhaus von Denpasar gebracht.
„45 verletzte Passagiere mussten im Krankenhaus behandelt werden. Ich kann jedoch nicht sagen, ob ihre Verletzungen leicht oder schwer waren“, teilte eine Sprecherin des Flughafens mit.
Bali ist ein äußerst beliebtes Urlaubsziel und empfängt jedes Jahr Millionen von Touristen aus aller Welt. An Bord der Lion-Air-Maschine befanden sich drei ausländische Staatsbürger: ein Franzose, eine Singapurerin und ein Singapurer, wie der Leiter der Kommunikationsabteilung des Flughafens mitteilte.
Ein Vertreter des Verkehrsministeriums gab zunächst an, das Flugzeug sei über die Landebahn hinausgeschossen. Später präzisierte er seine Aussage und sagte, die Maschine sei direkt im Wasser gelandet. Die Behörden ermitteln weiterhin die genaue Ursache für die Notwasserung.
Ein Sprecher von Lion Air erklärte, die Maschine sei aus der Stadt Bandung in der Provinz Westjava gekommen. An Bord befanden sich 101 Passagiere und sieben Besatzungsmitglieder, darunter 95 Erwachsene, fünf Kinder und ein Säugling. Die Maschine sei relativ neu und erst seit 2012 in Betrieb. Die nationale Verkehrssicherheitsbehörde werde die Unfallursache untersuchen.
„Das Flugzeug ist in zwei Teile zerbrochen“, so der Sprecher. „Nach erster Sichtung kann die Maschine nicht mehr genutzt werden.“ Lion Air, eine vor 13 Jahren mit nur einer Maschine gegründete, damals wenig bekannte Fluggesellschaft, hatte in letzter Zeit zwei der weltweit größten Flugzeugbestellungen aufgegeben. Der Gesamtwert belief sich auf atemberaubende 46 Milliarden US-Dollar – eine Wette auf den Boom des indonesischen Luftverkehrs.
Frankreich hatte im Vormonat mitgeteilt, dass die am schnellsten wachsende Fluggesellschaft Indonesiens zugestimmt habe, 234 Mittelstreckenjets vom Typ A320 im Wert von 23,8 Milliarden US-Dollar (18,4 Milliarden Euro) von Airbus zu kaufen. Zuvor hatte Lion Air die Branche mit einem 22,4 Milliarden US-Dollar schweren Auftrag über 230 Boeing-737-Flugzeuge verblüfft, der 2011 während eines Besuchs von US-Präsident Barack Obama in Indonesien unterzeichnet worden war.
Experten äußerten jedoch Bedenken, dass das rasante Wachstum der Fluggesellschaft die Sicherheit gefährden könnte. Sie wiesen darauf hin, dass es in Indonesien an qualifizierten Piloten fehle, um die schnell wachsende Zahl von Flugzeugen zu fliegen. Lion Air ist im Luftraum der Europäischen Union und der USA mit einem Flugverbot belegt. In Indonesien selbst gilt das Unternehmen als wenig sicher und zuverlässig.
Zwischen 2004 und 2006 kam es zu einer Serie von sechs Unfällen – bei denen allerdings niemand ums Leben kam. In allen Fällen waren Maschinen über die Landebahn hinausgeschossen oder hatten sie ganz verfehlt.
Lion Air wurde 1999 von den Brüdern Kusnan und Rusdi Kirana gegründet, die mit einem gemeinsamen Vermögen von 900 Millionen US-Dollar zu den 33 reichsten Indonesiern zählen. Die Fluglinie war die erste private Fluggesellschaft des Inselstaates. Von den 72 Zielorten liegen die meisten in Indonesien. Die weiteste Strecke führt nach Saudi-Arabien – eine Route, die vor allem von Hausangestellten und Bauarbeitern genutzt wird.