Ein Schreiben des Volkskomitees der Gemeinde Lang Thanh an die Rechtsanwaltskammer der Provinz Đồng Nai mit der Bitte um „Unterstützung bei der Klärung von Angelegenheiten im Zusammenhang mit Organisationen und Einzelpersonen, die im Gebiet der Gemeinde Lang Thanh Rechtsdienstleistungen erbringen“, hat in der Anwaltschaft für erhebliche Diskussionen gesorgt.
Hinter einer scheinbar routinemäßigen Verwaltungsanfrage verbirgt sich ein Kernproblem: die Grenze zwischen der Verwaltungskompetenz der lokalen Regierung und dem Grundsatz der beruflichen Unabhängigkeit.
Darüber hinaus geht es um die Rolle und die berufliche Integrität von Rechtsanwälten beim Schutz der Bürgerrechte, insbesondere im komplexen Bereich der Grundstücksrechte.
Das Beschwerderecht ist ein Verfassungsrecht
Man kann den praktischen Druck auf die lokalen Behörden bei der Umsetzung großer Projekte wie dem internationalen Flughafen Lang Thanh nicht leugnen. Wenn die wirtschaftlichen Interessen der Bürger beeinträchtigt werden, sind Beschwerden unvermeidlich.
Das Beschwerderecht ist jedoch keine „Last“, die es einzuschränken gilt, sondern ein verfassungsmäßiges Recht.
Die Verfassung von 2013 bestätigt, dass alle Bürger das Recht haben, sich über rechtswidrige Handlungen zuständiger Behörden, Organisationen und Einzelpersonen zu beschweren und diese anzuzeigen.
Das Beschwerdegesetz von 2011 präzisiert dies, indem es den Bürgern erlaubt, Erst- und Zweitbeschwerden einzureichen und sogar das Recht einräumt, vor den zuständigen Gerichten verwaltungsrechtliche Klagen zu erheben. Gleichzeitig wird das Recht auf Unterstützung, Beratung und Vertretung durch Rechtsanwälte während des Beschwerdeverfahrens bestätigt.
Daher kann das mehrfache Einreichen von Petitionen durch Bürger unter Einhaltung der korrekten Verfahren nicht als Verhalten angesehen werden, das eingeschränkt werden müsste.
Umgekehrt ist die Rolle der Rechtsanwälte gesetzlich klar definiert. Das Rechtsanwaltsgesetz erlaubt es Rechtsanwälten, an Gerichtsverfahren teilzunehmen, Rechtsberatung zu leisten und Mandanten in außergerichtlichen Angelegenheiten zu vertreten, um die rechtmäßigen Rechte und Interessen von Einzelpersonen und Organisationen zu schützen.
Der Kern des Berufsstandes sind Unabhängigkeit, Ehrlichkeit, Achtung der objektiven Wahrheit und die Einhaltung des Gesetzes. Dies bekräftigt, dass Rechtsanwälte keine „Beschwerdemacher“ sind, sondern Personen, die dazu beitragen, dass Beschwerdeaktivitäten und deren Bearbeitung korrekt ablaufen und Verfahrens- und Inhaltsfehler minimiert werden.
Teil des Mechanismus zum Schutz der Gerechtigkeit
In der Praxis zeigt sich die berufliche Integrität eines Rechtsanwalts nicht nur in großen Fällen, sondern am deutlichsten in konkreten Angelegenheiten, in denen benachteiligte Bürger Schutz benötigen.
Bei verwaltungsrechtlichen Grundstücksstreitigkeiten sind Bürger oft im Nachteil, was Informationen und Rechtsverständnis betrifft. Ohne die Unterstützung eines Anwalts kann das Beschwerderecht leicht falsch ausgeübt oder gar nicht genutzt werden. Wenn jedoch ein Anwalt eingeschaltet wird, sind Petitionen in der Regel fundierter, an die richtigen Behörden gerichtet und tragen dazu bei, weit verbreitete und langwierige Beschwerden zu begrenzen.
Daher sollte anerkannt werden, dass Rechtsanwälte Beschwerden nicht vermehren, sondern dazu beitragen, Beschwerdeaktivitäten in einen rechtlichen Rahmen zu bringen. Ein Fall mit Beteiligung eines Anwalts hat oft bessere Chancen, schnell und genau gelöst zu werden, da rechtliche Argumente bereits im Dialogstadium gründlich vorbereitet werden. Die Begleitung der Bürger durch Rechtsanwälte ist daher nicht nur eine Rechtsdienstleistung, sondern auch Teil des Mechanismus zum Schutz der Gerechtigkeit.
Umgekehrt ist es, wenn Rechtsanwälte sich weigern, Bürger bei der Ausübung ihres rechtmäßigen Beschwerderechts zu unterstützen, nicht nur ein Mangel an beruflicher Verantwortung, sondern widerspricht auch der gesellschaftlichen Mission der Rechtsanwaltschaft. Wenn Bürger das Gesetz benötigen, aber keine Unterstützung erhalten, wird auch das Fundament der Rechtsstaatlichkeit beeinträchtigt.
Selbstverständlich sehen die entsprechenden Vorschriften disziplinarische und gesetzliche Maßnahmen vor, falls ein Anwalt Handlungen wie die Erteilung rechtswidriger Ratschläge, das Anstiften zu regelwidrigen Beschwerden oder die Verursachung von sozialen Unruhen begeht.