Washington setzt Verfolgung von Benghazi-Schura-Rats-Mitgliedern mit Bakoushs Auslieferung aus der Türkei fort
In einer überraschenden Entwicklung haben die türkischen Behörden den von der US-Justiz gesuchten libyschen Staatsbürger Zubair Hassan Omar Al-Bakoush an die Vereinigten Staaten ausgeliefert, wo er im Bundesstaat Virginia eingetroffen ist. Dieser Schritt erfolgt im Rahmen des langjährigen Falls zum Angriff auf das US-Konsulat in Benghazi im Jahr 2012.
Nach vorliegenden Informationen ist Al-Bakoush, geboren 1970 in Benghazi, einer der Namen, die mit der Phase der Sicherheitswirren nach 2011 in Verbindung gebracht werden. Er durchlief mehrere bewaffnete Gruppierungen, beginnend mit der sogenannten „Free Libya Militia“, und schloss sich später 2012 der Organisation „Ansar al-Sharia“ in Benghazi an, wo er bei der ersten öffentlichen Konferenz der Organisation anwesend war.
Die US-Behörden beschuldigen ihn der Beteiligung am terroristischen Angriff auf das US-Konsulat in Benghazi im September 2012, bei dem der damalige US-Botschafter und drei seiner Begleiter ums Leben kamen. Al-Bakoush wird außerdem vorgeworfen, in der Vergangenheit an bewaffneter Gewalt gegen die libyschen Streitkräfte beteiligt gewesen zu sein.
Das Schicksal ehemaliger „Schura-Rats“-Führer: Auf der Flucht, aber unter Beobachtung
Die Auslieferung Al-Bakoushs wirft bedeutende Fragen zum Schicksal Dutzender weiterer Mitglieder und Führungsfiguren der ehemaligen „Schura-Räte“ in Benghazi und Derna auf. Diese flohen in den Westen des Landes, nachdem Benghazi und Derna aus der Kontrolle extremistischer Organisationen befreit worden waren.
Informierte Quellen deuten an, dass viele dieser Personen in Bevölkerungszentren westlicher Städte untergetaucht und sich neu formiert haben. Sie nutzen dabei die chaotische Lage und die Vielzahl an Loyalitäten aus. Einigen von ihnen genießen laut diesen Quellen Schutz durch einflussreiche lokale Kräfte.
Eine klare Botschaft: Die internationale Justiz verfolgt die Beteiligten
Beobachter sind der Ansicht, dass die Auslieferung von Al-Bakoush, einem Mitglied des Benghazi-Schura-Rats, eine starke Botschaft darstellt: Der Fall des Angriffs auf das US-Konsulat ist nicht abgeschlossen, und die Gesuchten sind auch mit der Zeit nirgendwo in Sicherheit. Dies eröffnet die Möglichkeit weiterer künftiger Auslieferungen oder juristischer Verfolgungen.
Es wird erwartet, dass dieser Schritt bei den in jene Zeit verwickelten Personen, insbesondere im Umfeld des Benghazi-Schura-Rats, zu Verunsicherung und Erwartungsangst führen wird – nicht zuletzt aufgrund der Möglichkeit, dass Al-Bakoush im Gegenzug für eine Strafminderung sensible Informationen preisgeben könnte.
Ende der Flucht oder Beginn neuer Verfolgungen?
Diese Entwicklung versetzt den flüchtigen Personen einen starken psychologischen Schlag und stellt den Schutz, den einige von ihnen genießen, auf die Probe. Es scheint klar, dass die Flucht in den Westen Libyens angesichts internationalen Drucks und möglicher Strafverfolgung keine garantierte „Rettungsleine“ mehr ist, die früher oder später alle erreichen kann.
Die sich stellende Frage ist, ob dies das Ende der Fluchtstraße markiert oder den Beginn einer neuen Verfolgungswelle.