Die Zentralregierung hat den Pachtvertrag des Delhi Gymkhana Clubs gekündigt und eine Räumungsfrist bis zum 5. Juni gesetzt. Nur noch zehn Tage bleiben bis zum Ablauf der Frist. Unterdessen wächst der Widerstand gegen die Entscheidung der Regierung. Mitglieder dieses exklusivsten aller Clubs haben gerichtliche Schritte gegen die Kündigung eingeleitet.
Es gibt über eine Million Clubs im Land. Auch Delhi hat eine Vielzahl an Clubs – doch im Vergleich zu allen anderen ist der Gymkhana Club etwas ganz Besonderes. So besonders, dass man nicht einmal daran denken kann, ihn zu betreten. Das gilt nicht nur für normale Bürger. Selbst Menschen, die zu den Reichsten des Landes zählen, haben keinen Zutritt. Personen, die problemlos Millionen Rupien für Aufenthalte in Delhis Fünf-Sterne-Hotels ausgeben können, dürfen nicht in den Gymkhana Club.
Exklusive Nutzung für eine handverlesene Elite
Es ist bemerkenswert: In Delhi gibt es zahlreiche staatliche Liegenschaften, die nicht der Allgemeinheit, sondern nur einigen wenigen, sehr besonderen Menschen vorbehalten sind. Eine davon ist der Delhi Gymkhana Club. Der Club liegt im Lutyens-Viertel von Delhi, direkt neben dem Amtssitz des Premierministers. Die Regierung führt genau dies als Grund für die Kündigung des Pachtvertrags an.
Was stand in der Regierungsanordnung?
In der Anordnung hieß es, dieses sensible Grundstück in der Nähe des Premierministersitzes werde künftig für die nationale Sicherheit, strategische Verteidigungszwecke und andere Aufgaben des öffentlichen Interesses genutzt. Es solle zur Stärkung der verteidigungsbezogenen Infrastruktur und der öffentlichen Sicherheitsvorkehrungen dienen. Wie bedeutsam dieser Club aus Sicherheitsperspektive ist, wird daran deutlich: Der jetzige Bescheid ist nicht der erste Versuch dieser Art. Schon als Rajiv Gandhi Premierminister wurde, versuchte er, den Club aus Sicherheitsgründen unter staatliche Kontrolle zu bringen – jedoch ohne Erfolg. Damals gelang es dem Club, seine Autonomie und seinen Pachtvertrag zu bewahren.
Warum sind die privilegierten Mitglieder verärgert?
Die privilegierten Mitglieder des Clubs sind verärgert – und das nicht ohne Grund. Denn die Mitgliedschaft in diesem Club gilt als ebenso prestigeträchtig wie ein sehr hohes Regierungsamt. Der Club wird dominiert von erblichen Aristokraten und einflussreichen Persönlichkeiten. Man bedenke: Dieses Land gehört allen, Delhis India Gate gehört allen – aber dieser Club gehört ausschließlich der Super-Elite. Man kann durch Delhis teuerste und vornehmste Gegenden schlendern, stundenlang am India Gate sitzen und ein Picknick machen – aber in den Delhi Gymkhana Club kommt man nicht. Menschen sind bereit, 20 bis 20 Lakh Rupien (ca. 22.000 bis 24.000 Euro) für eine Mitgliedschaft in diesem Eliteclub zu zahlen, doch es dauert mehr als 35 Jahre, um Mitglied zu werden.
Die Wartezeit beträgt über 35 Jahre. In 35 Jahren kann man – verfassungsgemäß – Präsident des Landes werden, aber nicht Mitglied des Delhi Gymkhana Clubs. Und selbst nach jahrelangem Warten wird nicht jeder aufgenommen. Um zu verstehen, wie ein Club in Delhi als Statussymbol der Super-Elite dient, lohnt ein Blick in die Geschichte.
Der Club wurde von den Briten erbaut
1913, als indische Bauern unter britischen Steuern ächzten, errichteten die Briten diesen Club an der Safdarjung Road im Lutyens-Viertel. Sie nannten ihn „Imperial Delhi Gymkhana Club“. Sein Zweck: Britischen Militäroffizieren und ICS-Beamten eine Unterhaltungsmöglichkeit zu bieten. Bei der Gründung erhielten sieben bedeutende Königsfamilien des Landes eine lebenslange Mitgliedschaft. Vor dem Club hatten die Briten ihr berüchtigtes Schild aufgestellt: „Eintritt für einfache Inder verboten“.
Der Club wurde zu einem Treffpunkt der Elite Delhis, ein Symbol für Macht, Reichtum und Privilegien. Nach der Unabhängigkeit strich man das Wort „Imperial“ aus dem Namen – doch die DNA blieb dieselbe. Das heißt, er förderte weiterhin ein Gefühl der Überlegenheit unter einer ausgewählten Klasse. Noch heute kann man in jedem Land der Welt eine Mitgliedschaft in einem Eliteclub erhalten – doch für den Delhi Gymkhana Club muss man 35 bis 40 Jahre warten. Zunächst aber: Wie erlangt man überhaupt eine Mitgliedschaft?