Dem ehemaligen südkoreanischen Präsidenten Yoon Suk Yeol drohen die Todesstrafe oder lebenslange Haft. Der erste Prozess zur Verhängung des Kriegsrechts im Jahr 2024 tritt heute, am 9. Januar, in die entscheidende Urteilsphase.

Obwohl Südkorea seit fast 30 Jahren ein Hinrichtungsmoratorium aufrechterhält und seit 1997 keine Todesurteile mehr vollstreckt hat, könnten die Staatsanwälte diese Strafe dennoch für Yoon beantragen.

Vor dem Bezirksgericht Seoul Central warfen die Ankläger Yoon und dem ehemaligen Verteidigungsminister Kim Yong Hyun vor, bereits im Oktober 2023 geplant zu haben, die Nationalversammlung vorübergehend auszusetzen und die legislative Gewalt an sich zu reißen.

Die Anklageschrift präzisiert, dass Yoon politische Gegner, darunter Oppositionsführer Lee Jae Myung, als „staatsfeindliche Kräfte“ brandmarken wollte, um deren Verhaftung zu ermöglichen.

Dem Ex-Präsidenten wird außerdem vorgeworfen, durch die Verhängung des Kriegsrechts am 3. Dezember 2024 einen Aufruhr angezettelt zu haben. Obwohl dies nur etwa sechs Stunden dauerte, erschütterte der Vorfall die öffentliche Meinung und die politische Landschaft Südkoreas.

Yoon wies später alle Vorwürfe zurück und behauptete, die Verhängung des Kriegsrechts sei innerhalb seiner Befugnisse gewesen und habe dazu gedient, vor den blockierenden Oppositionsparteien zu warnen.

Während der Verhandlung am 9. Januar erschien Yoon neben sieben weiteren Angeklagten, darunter Ex-Verteidigungsminister Kim Yong Hyun und seine Verteidiger.

Die Urteilsverhandlung begann früh, damit die Verteidigung ihr Plädoyer halten konnte. Anschließend wird die Staatsanwaltschaft ihr Schlussplädoyer halten und Strafanträge für jeden Angeklagten stellen.

Neben den Vorwürfen im Zusammenhang mit dem Kriegsrecht sieht sich Yoon mehreren weiteren Anklagepunkten gegenüber, darunter Behinderung der Justiz und Amtsmissbrauch.

Das Urteil wird für Februar erwartet.

Ex-Präsident Yoon Suk Yeol wird wegen „Beihilfe zum Landesverrat“ und Amtsmissbrauchs angeklagt. Ihm wird vorgeworfen, den Überflug einer Drohne über Nordkorea angeordnet zu haben, um einen Vorwand für die Verhängung des Kriegsrechts zu schaffen.

Bezirksgericht Seoul Central

Das Bezirksgericht Seoul Central ist das wichtigste Gericht erster Instanz in der Hauptstadt Südkoreas und wurde in seiner modernen Form 1995 gegründet. Es verhandelt bedeutende Zivil-, Straf- und Verwaltungsfälle im Großraum Seoul und ist historisch bekannt für zahlreiche hochkarätige Prozesse gegen ehemalige Präsidenten, Konzernchefs und wegweisende Verfassungsstreitigkeiten.