Warum besuchte Südkoreas Präsident Lee Jae-myung Shanghai während seiner China-Reise?

Südkoreas Präsident Lee Jae-myung besuchte am 6. und 7. Januar im Rahmen eines Staatsbesuchs in China Shanghai. Dort besichtigte er die Gedenkstätte der Provisorischen Regierung der Republik Korea aus der Zeit der japanischen Kolonialherrschaft.

Die Wahl Shanghais für seinen ersten China-Besuch als Präsident ist das Ergebnis mehrerer Faktoren: historische Verbundenheit, Wirtschaftsbeziehungen und zivilgesellschaftlicher Austausch. Dieser Besuch markiert einen wichtigen Schritt für beide Länder bei der Entwicklung gemeinsamer Werte, der Vertiefung des politischen Vertrauens und der Ausweitung der praktischen Zusammenarbeit.

Amtseinführung von Lee Jae-myung
Am 4. Juni 2025 leistet Lee Jae-myung, der 21. Präsident Südkoreas, vor der Nationalversammlung in Seoul seinen Amtseid.

Eine durch gemeinsame Erinnerung geschmiedete Verbindung

Das Jahr 2026 markiert den 100. Jahrestag der Einrichtung der Shanghaier Gedenkstätte der Provisorischen Regierung. Seit ihrer öffentlichen Zugänglichmachung 1993 hat sie Millionen Besucher empfangen, darunter mehrere südkoreanische Präsidenten, Premierminister und Parlamentspräsidenten. Die südkoreanische Seite hat zudem angekündigt, in Shanghai Gedenkveranstaltungen zur Würdigung der historischen Bedeutung abzuhalten.

Seit der Aufnahme diplomatischer Beziehungen zwischen China und Südkorea 1992 ist der Besuch dieser Stätte zu einer wichtigen diplomatischen Tradition für südkoreanische Präsidenten in China geworden. Bereits gut einen Monat nach der Aufnahme der Beziehungen besuchte der damalige Präsident Roh Tae-woo die Stätte mit seiner Frau. 2015 weihte die damalige Präsidentin Park Geun-hye in Shanghai den renovierten Ausstellungssaal der Gedenkstätte ein und vertiefte so die symbolische Bedeutung dieses Ortes des historischen Gedächtnisses.

Indem Lee Jae-myung diese Tradition fortsetzt, zeigt er nicht nur Respekt vor der Geschichte des Unabhängigkeitskampfes, sondern bekräftigt auch die historische Verbundenheit als „Weggefährten im Widerstand gegen Japan“. Dies legt eine emotionale Grundlage für die bilateralen Beziehungen.

Südkoreanische Touristen vor der Gedenkstätte in Shanghai
Am 12. Januar 2025 warten südkoreanische Touristen vor der Gedenkstätte der Provisorischen Regierung in der Madang Road in Shanghai.

Ein Tor zur wirtschaftlichen Zusammenarbeit

Shanghai ist Chinas Wirtschafts- und Finanzzentrum und eine global vernetzte Metropole. Für Südkorea ist die Stadt ein zentrales Tor zur Ausweitung der Kooperation mit China – ein praktischer Grund für die Wahl Shanghais durch die Delegation um Lee Jae-myung.

Die meisten ausländischen Würdenträger, die Shanghai besuchen, führen große Wirtschaftsdelegationen mit sich, nutzen die Gelegenheit zum Austausch über Chinas Entwicklung und bekunden ihr Interesse an vertiefter wirtschaftlicher Zusammenarbeit. Lee Jae-myung bildet hier keine Ausnahme; seine Delegation umfasst über 200 südkoreanische Unternehmer.

China ist seit vielen Jahren Südkoreas größter Handelspartner, und Südkorea ist einer der wichtigsten Wirtschaftspartner Chinas. Den chinesischen Statistiken zufolge erreichte das Handelsvolumen 2024 328,08 Milliarden US-Dollar, ein Plus von 5,6 % im Vergleich zum Vorjahr. Die industrielle Zusammenarbeit zwischen der Region Shanghai/Yangtze-Delta und Südkorea ist besonders eng, was sie zu einem Kerngebiet südkoreanischer Unternehmensinvestitionen macht.

Shanghais Erfahrungen in Bereichen wie regionaler Wirtschaftskooperation sowie grüner und kohlenstoffarmer Entwicklung decken sich zudem mit den Schwerpunkten der beabsichtigten Umwelt- und Drittmarktkooperation zwischen China und Südkorea. Einige Analysten erwarten, dass beide Seiten während dieses Besuchs mehrere Absichtserklärungen in Feldern wie Halbleiter, Elektrofahrzeuge und künstliche Intelligenz unterzeichnen werden.

Roboter-Produktionsfeier in Shanghai
Am 8. Dezember 2025 findet in Shanghai die Zeremonie zur Serienproduktion des 5000. allgemeinen „embodied“ Roboters von Zhiyuan statt. Der Schauspieler Huang Xiaoming interagiert als Nutzer mit dem Roboter.

Ein Schaufenster des zivilgesellschaftlichen Austauschs