Am frühen Morgen des 16. April nahm die Polizei den Vater eines elfjährigen Jungen fest, dessen Leiche am 13. April in der Präfektur nach einer Suche mit über 1.000 Einsatzkräften entdeckt worden war.
Die Beamten verhafteten einen 37-jährigen Mann unter dem Verdacht, die Leiche seines Sohnes, eines Schülers der örtlichen Sonobe-Grundschule, beseitigt zu haben. Der Elfjährige war drei Wochen vermisst gewesen, bevor seine sterblichen Überreste gefunden wurden.
Der Fall hatte viele Rätsel hinterlassen: Es gab keine Zeugenaussagen, und die Leiche des Jungen sowie seine Habseligkeiten wurden an weit voneinander entfernten Orten entdeckt. Hinter der plötzlichen Festnahme stand eine verdeckte polizeiliche Ermittlung, die nach und nach einen rätselhaften Punkt mit dem nächsten verband.
Warum die Habseligkeiten nacheinander gefunden wurden
Die Ermittlungen nahmen am 12. April eine dramatische Wendung. Während der weiteren Suche fanden Polizisten in den Bergen zwischen dem Haus des Jungen und seiner Grundschule Schuhe, die den schwarzen Turnschuhen ähnelten, die er getragen hatte. Am nächsten Tag wurde seine Leiche in einem Waldstück vier Kilometer entfernt entdeckt.
Warum wurden seine Sachen und sein Körper in so kurzer Zeit in diesem riesigen bewaldeten Gebiet nacheinander gefunden?
Laut ermittlungsnahen Quellen war dies kein Zufall. Die Polizei ging mit konkreten Verdächtigen vor.
Bereits unmittelbar nach dem Verschwinden des Elfjährigen hatten die Beamten insgesamt über 1.000 Kräfte eingesetzt, um die nahegelegenen Berge zu durchkämmen, während sie gleichzeitig Ermittlungen unter dem Gesichtspunkt einer Straftat aufnahmen.
Rätsel um „keine Zeugenaussagen“
Was die Ermittler zunächst beschäftigte, war der Ablauf des Verschwindens des Jungen.
Der Verdächtige hatte zuvor erklärt, dass er seinen Sohn am 23. März, dem Tag des Verschwindens, gegen 8 Uhr morgens mit dem Auto in der Nähe der Schule abgesetzt habe, damit dieser an einer Abschlussfeier teilnehmen könne.
Aber der Elfjährige tauchte nie in der Schule auf. Eine Lehrerin, die das bemerkte, kontaktierte die Familie, woraufhin der Fall gegen Mittag der Polizei gemeldet wurde.
Unbegreiflich schien, dass niemand den Jungen gesehen hatte, der angeblich direkt neben der Schule aus dem Auto seines Vaters gestiegen war.
Zu dieser Zeit hatten sich viele Schüler und Eltern zur Feier versammelt, aber es gab keine Zeugenaussagen. Zudem wurde der Elfjährige trotz mehrerer Überwachungskameras auf dem Schulgelände in keinem Bildmaterial erfasst, sodass seine Bewegungen unbekannt blieben.
Verdacht, dass „jemand den Rucksack weggeworfen hat“
Sechs Tage nach dem Verschwinden des Jungen fand ein an der Suche beteiligtes Familienmitglied seinen Schulrucksack. Der Fundort lag in den Bergen, etwa drei Kilometer nordwestlich der Schule, in einem bereits zuvor durchsuchten Gebiet. Da der Rucksack keine auffälligen Verschmutzungen aufwies, war die Polizei zunehmend überzeugt, dass jemand ihn nach dem Verschwinden des Jungen weggeworfen hatte.
Die Ermittlungen schienen zeitweise in einer Sackgasse zu stecken. Doch ab der zweiten Aprilwoche begann die Polizei eine intensive Suche, die sich auf bestimmte Orte konzentrierte.
Laut Ermittlungsquellen wurde dieser Schritt durch ihre verdeckte Arbeit vorangetrieben, um die Fahrroute des Verdächtigen nachzuverfolgen.
Die Polizei wertete intensiv Aufnahmen von Überwachungskameras in der Gegend aus und identifizierte die Route eines Fahrzeugs, das mutmaßlich vom Verdächtigen gefahren wurde.
Durch die gezielte Suche entlang dieser Route fanden sie die Schuhe und dann die Leiche. „Die rätselhaften Punkte fügten sich zu einer einzigen Linie zusammen“, sagte ein Ermittler.
Obwohl eine gerichtliche Obduktion die Todesursache nicht klären konnte, schloss die Polizei, dass der Elfjährige einem Verbrechen zum Opfer gefallen war. Am 15. April, dem Tag nach der Identifizierung der Leiche, durchsuchte die Polizei das Haus und leitete die Festnahme des Verdächtigen ein.