Indische Armee rüstet Artillerie auf: 105-mm-Geschütz wird zum Präzisionswerkzeug
Die indische Armee macht ihre Artillerie noch tödlicher. Im Zuge einer beschleunigten Modernisierung wird das 105-mm-Feldgeschütz (IFG), das als Rückgrat der Artillerieregimenter gilt, deutlich leistungsfähiger gemacht. Diese Entscheidung wird die Schlagkraft der Artillerie erhöhen. Unter Aufsicht der Armee haben Verteidigungswissenschaftler eine solche Veränderung an der Kanone vorgenommen, dass sie Ziele künftig automatisch erfassen und anvisieren kann. Das System richtet sich selbstständig auf das Ziel.
Zielerfassung automatisch, nicht manuell
Die Geschütze der Armee werden nun mit einer automatischen Richttechnik ausgestattet. Bisher mussten die Soldaten das Ziel manuell über ein Rad einstellen – ein Vorgang, der im Fachjargon „Richten“ genannt wird. Künftig übernimmt ein Computer diese Aufgabe. Das Artilleriegeschütz führt die erforderlichen Berechnungen für den Abschuss automatisch durch, was die Treffgenauigkeit erheblich steigert.
Die neue Technologie verkürzt die Reaktionszeit der Feuerstellungen und erhöht die Feuerrate. Gleichzeitig wird das Zielen präziser als je zuvor. Besonders in Bergschluchten versteckte Ziele lassen sich so leichter zerstören. Für die Soldaten der Artillerie bedeutet das eine enorme Erleichterung und einen großen Fortschritt.
Der Kern der Modernisierung
Die Umrüstung erfolgte in der Heereswerkstatt 506. Seit dem Kargil-Krieg stellt die indische Artillerie angesichts moderner Herausforderungen schrittweise auf 155-mm-Geschütze um. Das gesamte Artilleriewesen durchläuft im Rahmen des „Field Artillery Rationalization Plan“ einen grundlegenden Wandel. In den letzten Jahren wurden bereits die einheimischen Dhanush-Geschütze, die M-777-Haubitzen und die südkoreanischen K-9-Selbstfahrlafetten in Dienst gestellt. Zudem hat die Armee 307 weitere moderne gezogene Geschützsysteme (ATAGS) bestellt. Alle diese Waffen verschießen 155-mm-Granaten.
Abschreckung gegen China und Pakistan
Mit der gesteigerten Feuerkraft der indischen Artillerie wird es für die chinesische und pakistanische Armee schwieriger, an der Grenze aggressiv zu agieren. Bereits während des Kargil-Konflikts (1999) ließ die pakistanische Armee unter der Feuerkraft der indischen Geschütze erzittern. Neben dieser jüngsten Aufrüstung treibt die indische Armee die Vorbereitung auf die moderne Kriegsführung kontinuierlich voran. So wurden etwa neue Drohneneinheiten mit dem Namen „Shaurya Squadrons“ aufgestellt. Diese Schwadrone liefern der Armee Echtzeit-Aufklärungsdaten und arbeiten eng mit den Panzereinheiten zusammen. Sie sind mit Aufklärungsdrohnen, Angriffsdrohnen und sogenannten „Loitering Munitions“ (Kamikazedrohnen) ausgestattet, die feindliche Bewegungen überwachen und bei Bedarf präzise Angriffe durchführen.